Noch selten: Frauen am Dirigentenpult

Auch wenn der Anteil der Frauen in einem Orchester recht hoch ist (es gibt bereits Ensembles in denen mehr Frauen als Männer spielen), sieht es in den Leitungspositionen eher düster aus. 1.6 Prozent der Dirigenten die in der Schweiz von Orchestern in 2014 eingeladen wurden waren Frauen.

Das bedeutet aber nicht dass es keine weiblichen Dirigentinnen gibt. Das Problem ist dass sie recht selten die Leitung eines Orchesters übertragen bekommen. Meistes reicht es gerade mal für einen kurzen Auftritt, manche dürfen sich schon freuen, wenn sie eine Orchesterreise führen dürfen.

Ausnahmen von Orchestern und Konzerthäusern, in denen man sich etwas traute gibt es aber. So hatte die Hamburger Staatsoper Simone Young als Intendantin und Generalmusikerin verpflichtet, und das immer hin 10 Jahre lang von 2005 bis 2015. Sie leistete damit ein großes Stück Pionierarbeit in Deutschland, Am Theater scheinen Frauen eher mal die Führung zu bekommen, so zum Beispiel Joana Mallwitz in Erfurt und Karen Kamensek an der Staatsoper Hannover.

International hat vor allem Marin Alsop Geschichte geschrieben. Sie ist eine Schülerin von Leonard Bernstein, einem der großen amerikanischen Dirigenten, was ihr bei der Karriere sicherlich geholfen hat. Sie hat es immerhin zur Leitung des Baltimore Symphony Orchesters geschafft.

An Talenten fehlt es nicht: Die Finnin Susanna Mälkki zum Beispiel hat so manchen Preis gewonnen, dirigierte das Los Angeles Symphony Orchestra und die Metropolitan Opera. Aber zum einem festen internationalen Engagement reichte es trotz zahlreicher internationaler Preise doch nicht. Immerhin zählt die Prophetin im eigenen Land: Das Helsinki Philharmonic Orchestra verpflichte sie für drei Jahre als Leiterin.

Die Schweizerin Graziella Contratto arbeitete mit Claudio Abbado zusammen und wurde sogar seine Assistentin. In Salzburg arbeitete sie ebenso wie in Davos. Jetzt bildet sie andere Dirigentinnen aus, als Lehrerin an der Hochschule der Künste Bern.

Das oft angeführte Argument dass die Frauen nicht die notwendige Erfahrung haben zählt wenig wenn sie gar keine Gelegenheit bekommen, diese auch machen zu dürfen.